Lorenbahn von Dagebüll über Oland nach Langeneß

Die alte Trasse und der neue Damm - sprisi - pixelio.de
Die alte Trasse und der neue Damm - sprisi - pixelio.de
Sie ist wohl die ungewöhnlichste Bahntrasse in Deutschland. Gebaut vom und für den Küstenschutz haben die Halligbewohner sie mit ihren Privatloren erobert.

Die Halligen Oland und Langeneß liegen südöstlich der Insel Föhr im nordfriesischen Wattenmeer. Oland (friesisch Ualöönist, dänisch Øland) ist eine kleine Insel. Etwa Zwei Kilometer lang und 500 Meter breit beträgt die Fläche etwa 96 Hektar. Auf ihr gibt es eine Warft mit 15 Häusern. Langeneß (friesisch Nees, dänisch Langenæs) ist erheblich größer. Bei einer Breite von bis zu 1.400 Meter streckt sie sich 10 Kilometer durch das Wattenmeer und hat eine Fläche von 956 Hektar. Die heutige Insel ist aus ursprünglich drei getrennten Halligen entstanden. Auf ihr gibt es 16 Warften. Beide Halligen bilden zusammen die Gemeinde Langeneß.

Küstenschutz durch Dammbauten

1860 wurde erstmals ein Damm von Oland zum Festland gebaut. Der wurde allerdings mehrfach durch Sturmfluten zerstört. Erst der zwischen 1925 bis 1927 gebaute Damm nach Dagebüll konnte den Naturgewalten trotzen. Angelegt wurde der Damm als Küstenschutzmaßnahme zur Verhinderung von Umspülungen. Denn die Strömungen der Nordsee und die Sturmfluten arbeiten ständig an den Küsten der Halligen. Ohne aktiven Küstenschutz muss stets mit Veränderungen der Küstenlinie und u.U. gar mit dem Untergang einer Hallig gerechnet werden. Oland hat durch den Damm auf seinem Ostufer einiges an Land gewonnen. Und der ständige Verlust an Land im Westen der Hallig wurde durch die Befestigung der Insel gestoppt.

Die Anlage der Feldbahn auf dem Damm

Der Damm war nun eine feste Verbindung von Oland nach Dagebüll. Da lag es nahe, ihn auch für Transportaufgaben zu nutzen. Und so wurde damals ein Feldbahngleis mit einer ungewöhnlichen Spurweite von 900 Millimetern auf dem Damm verlegt, das dann über Oland weiter zur Hallig Langeneß verlängert wurde. So entstand eine der ungewöhnlichsten Bahnstrecken in Deutschland mit einer Gesamtlänge von rund 9 Kilometern.

Die Loren segelten über den Damm

Das Marschenbauamt hatte die Gleise für seine Bauzüge verlegt. Doch die Halligbewohner wollten die Verbindung zum Festland auch nutzen. Sie bauten sich eigene Loren und segelten mit diesen gen Dagebüll und zurück. Ja, sie segelten. Denn die Loren waren mit Segeln ausgerüstet und der Wind sorgte für den umweltfreundlichen Vortrieb. Erst nach 1960 rüsteten die Privaten ihre Loren zunehmend mit Motoren aus.

Der private Lorenverkehr auf dem Damm wurde und wird vom Eigner der Trasse geduldet. Einen Linienverkehr für Passagiere über den Damm gibt es allerdings nicht. Nur wer sich beispielsweise von seinem Gastgeber auf einer der Halligen in Dagebüll abholen lässt, der kann das Vergnügen einer Lorenreise durch das Wattenmeer genießen.

Heute ist der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH) für Damm und Bahn zuständig. Er verfügt über fünf Lokomotiven von Schöma, Waggons und etliche Loren. Die dienen dem Unterhalt der Dämme und dem Transport von Mannschaften und Material zu den Baustellen.

Neubau der Dämme

Zwischen 2000 und 2009 wurde zwischen Dagebüll und Oland ein neuer Damm gebaut. Der ragt rund 65 Zentimeter höher aus dem Watt und macht so die Lorenstrecke deutlich häufiger nutzbar als der alte Damm. Die Erneuerung des Damms von Oland nach Langeneß soll folgen.

Harald Rossa, Photo: Heike Rossa      Rechte:Harald Rossa:

Harald Rossa - In Flensburg kam ich 1949 zur Welt und bin in dieser schönen Stadt aufgewachsen. Mit dem Schulabschluss begannen die Lehr- und ...

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